12. Workshop für Studenten und Young Professionals

Gruppe jws 15Zum ersten Mal fand der Workshop der „Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 e.V.", der erneut in bewährter Kooperation mit der „Jakob-Kaiser-Stiftung" organisiert und vom 20.11. bis 22.11.2015 durchgeführt wurde, in Berlin statt. Tagungsort war die Alte Feuerwache in der Axel-Springer-Straße. Das Thema lautete:

"Geschichtsbilder - Was bleibt von der Erinnerung an den Widerstand gegen das 'Dritte Reich'?"

Nach der Ankunft aller Teilnehmer am Freitagabend widmete man sich rasch – nach einem kurzen Kennenlernen beim Abendessen – den Themen und Zielsetzungen der diesjährigen Veranstaltung: den rezeptionsgeschichtlichen Aspekten der deutschen Widerstandsforschung. Zur inhaltlichen Einstimmung wurde die Dokumentation „Drei Versuche, ein Denkmal zu errichten" von Hannelore Schäfer (1994) gezeigt. Im Nachgang entstand eine rege Diskussion, deren Mittelpunkt der unterschiedliche Umgang mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus nach Kriegsende bildete.

Tags darauf erfolgte der Besuch der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand", wo sich nach einleitenden Worten der Seminarleiterinnen und einer kurzen Führung durch die Ausstellungen Kleingruppen zusammenfanden, die verschiedene Facetten der Widerstandsrezeption untersuchen sollten. Da sich unter den teilnehmenden Personen viele aktive Bundeswehrsoldaten befanden, wurde vor allem über das Problemfeld zwischen Militär, Widerstand, Tradition und Erinnerung debattiert. Aber auch die Motive und Beweggründe anderer Widerstandsgruppen, beispielsweise kommunistischer (Liselotte Herrmann) oder ziviler (Ehepaar Otto und Elise Hampel) wurden berücksichtigt und in kurzen Präsentationen den anderen Seminarteilnehmern nähergebracht.

Samstagabends fand unter dem Titel „Die Kinder des 20. Juli" eine Diskussionsrunde mit den Zeitzeugen Axel Smend und Jan Krodt statt. Beide schilderten eindrucksvoll die Verleumdungen, denen sie und ihre Familien ausgesetzt waren. Axel Smend berichtete beispielsweise, dass er und seine Familie noch lange Zeit nach 1945 diffamiert wurden, weil sein Vater im deutschen Widerstand aktiv war. Dabei entstand ein lebhafter Austausch zwischen den Nachkommen der Widerstandskämpfer und den Seminarteilnehmern.

Am Sonntagmorgen stand der Besuch der „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen" auf dem Programm. Wiederum war es ein Zeitzeuge, der durch die Räume der ehemaligen Haftanstalt führte und anschaulich auf die Foltermethoden des NKWD und des Ministeriums für Staatssicherheit hinwies. Abschließend fand eine kurze Seminarsitzung statt, in der resümierend der Workshop besprochen werden konnte, bevor die Heimreise angetreten wurde.

Der 12. Workshop stand im Zeichen der Auseinandersetzung mit den rezeptionsgeschichtlichen Aspekten des deutschen Widerstands. Dabei wurden nicht nur verschiedene Widerstandsgruppen zwischen 1933 und 1945 untersucht und der Umgang mit jenen nach Kriegsende genauer beleuchtet, sondern zudem wurde gleichsam die Problematik der Verfolgung von Regimekritikern und anderen Personen in der DDR durch den Besuch der „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen" ermöglicht.    |Programm|   |Fotoseite|

Mario H. Müller